Preisträger Comicfestival München

pengIn zwölf Kategorien wurde zum sechsten Mal der Comicpreis „Peng!“ beim Comicfestival München (4. bis 7. Juni 2015) vergeben.

Besonders bei den Kategorien ‚Beste Comic Verfilmung‘ und ‚Beste Comic Berichterstattung‘ hätte ich auf keinen Fall in der Jury sitzen wollen. Den Preisträger für “besondere Leistungen für die Münchner Comicszene” Eckart Schott (SALLECK PUBLICATIONS) kann ich nur nachdrücklich als künftugen “Preisträger für besondere Leistungen für die deutschsprachige Comicszene überhaupt” empfehlen.

Alle Preisträger über den ebenfalls preisgekrönten Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/comics/comicfestival-muenchen-tagesspiegel-gewinnt-peng-comicpreis/11879560.html

Subjektive Bewertung:

Comicliebhaber-Projekt Comicroom

Mal wieder ein absolutes Comicliebhaber-Projekt: Comicroom.
Die kürzestmögliche Inhaltsangabe lautet: Andreas und Tom digitalisieren ihre alten Comics. Und Tom heißt nicht wirklich Tom.

Unsere Comic-Sammlungen sind mittlerweile mehrere Jahrzehnte alt. Das Lesen dieser alten Hefte und Alben ist sehr risikobehaftet: Die Seiten können sehr leicht einreissen… die Alben auseinanderfallen… An ein Lesevergnügen ist nicht zu denken. Die Angst viel zu groß, dass unsere wertvollen Sammlungen Schaden erleiden könnten.

Mit ein bisschen Tüftelei und handwerklichem Geschick wollen wir unsere Vorstellung einer Schmökerlounge für Comics erarbeiten und diesen Werdegang hier veröffentlichen.

Wenn man so will die Heimwerkervariante von Mad Dog Comics.

Hier das Intro-Video:

Ich hab das für mich übrigens ganz einfach gelöst: digitale Comics les ich auf einem ARCHOS FamilyPad: 13,3 Zoll Android-Tablet (Infos: http://www.mobiflip.de/archos-familypad/). Das ist zwar eigentlich nicht dafür designed, aber schön grooooß, Performance reicht und man kann sich wie mit einem Comic damit aufs Bett legen.

Die Idee an sich finde ich prima und man sieht auch, dass da jemand mit viel Hirn und Liebe bei der Sache ist. Leider wird aber niemand sonst davon was haben – weitergeben dürfen die beiden Ihre digitalisierten Schätze aus Gründen des Urheberrechts nämlich nicht.

Subjektive Bewertung:

Verdammt, wer soll das alles lesen (und kaufen)?

Wenn ich mir nur mal die Neuerscheinungen der 24. Kalenderwoche 2013   (10.-14. Juni 2013) bei Comicguide (http://www.comicguide.de/php/neu.php) anschaue, dann finde ich Neuerscheinungen von folgenden Verlagen:

  •     Blue Ocean
  •     Bunte Dimensionen
  •     Comicplus+
  •     Diabolo Comics
  •     Edition 52
  •     Edition Comicographie
  •     Egmont Ehapa Verlag
  •     Egmont Manga & Anime
  •     Ehapa Comic Collection
  •     Kazé Manga
  •     Kult Editionen
  •     Panini Comics
  •     Panini Verlag
  •     Planet Manga
  •     Salleck Publications
  •     Verlag Abenteuer pur
  •     Virtual Graphics

Insgesamt 78 Neuerscheinungen in der 24. Woche 2013!
viele_comicsNatürlich sind einige der Neuerscheinungen Gesamtausgaben, z. B. die Blauen Boys. Anderes ist „Stangenware“ wie das neue Lustige Taschenbuch und Soft- und Hardcoverversionen sind auch brav einzeln aufgeführt. Andererseits ist das ja nur eine kleine Auswahl existierender und aktiver Verlage. Allein der hier fehlende Splitter Verlag meldet für Juni 47 Neuerscheinungen.
„Im Jahr 1991 war die Comic-Buchproduktion in Deutschland überschaubar: Damals erschienen laut Statistik des Comic-Jahrbuchs 607 Comics in rund zehn verschiedenen Verlagen. Die meisten dieser Titel kamen aus dem Ausland und wurden für den deutschen Markt übersetzt; nur 17,6 Prozent der Comics stammten von deutschen Autoren. Im Jahr 2008 verzeichnete der Katalog des Comic-Salons Erlangen immerhin rund achtzig Comic-Verlage. “
Quelle: http://www.goethe.de/kue/lit/prj/com/ccs/iuv/de5253892.htm

http://www.comicguide.de/php/verlage1.php kennt – wenn ich mich nicht verrechnet habe – rund 1000 Verlage.

Wenn ich jetzt mal konservativ von den oben erwähnten 80 aktiven und produktiven Verlagen ausgehe und jeder dieser Verlage pro Jahr ’nur‘ 20 neue Comics auf den Markt bringt wären das alleine schon 1600 Neuerscheinungen. Oder anders gesagt: wollte man jeden neu erschienenen Comic eines Jahres lesen müsste man jeden Tag 4,3 Comics kaufen – von Montag bis Sonntag. Bei einem angenommenen Durchschnittspreis von 10 Euro wäre das eine (sicherlich sinnvolle) Investition von 16 000 Euro.

keinezeitBei einem angenommenen Lesevergnügen von 45 Minuten pro Comic (mal mehr, mal weniger, mal kein Vergnügen) wäre man 150 Tage lang jeden Tag 8 Stunden mit lesen beschäftigt (Ja, auch ich kenne schlimmere Schicksale.).

Soweit, so gut. Natürlich gibt es Liebhabercomics, die leider nur einen geringe Käuferkreis haben. Und die schon erwähnte Stangenware mit einer Auflage bzw. verkauften Auflage von 245.376 Exemplare (Lustiges Taschenbuch (III/2009–II/2010[1]), entnommen http://de.wikipedia.org/wiki/Lustiges_Taschenbuch).

Trotzdem stellt sich mir die Frage: wer soll das alles lesen?

Die meisten Leser (und Leserinnen) haben Vorlieben und kaufen lediglich Werke aus dem Bereich Manga oder Funny oder Marveluniversum oder Filmadaptationen. Aber auch aufgegliedert in Sparten bleibt mehr als genug übrig, was kein Mensch alleine schafft. Die weitere Segmentierung – nur Mangas aus Frankreich oder nur einzelne Marvel Superhelden – hat wiederum einen unschönen Nebeneffekt: man glaubt dauernd, was spannendes, diskussions- oder lesenswertes zu verpassen. Jedenfalls geht mir das so.

Interessieren würde mich einmal ernsthaft, mit welcher Marge und welchen Verkaufszahlen muss ein Kleinverlag leben, um sinnvoll ohne Selbstausbeutung über die Runden zu kommen. Viele der Kleinstverlage können eigentlich nur Hobby sein, denn von den Verkäufen, behaupte ich einmal, kann bei so einem großen Angebot zumindest der Kreis der Liebhabercomics-Verlage doch wohl kaum leben.

Sicherlich ist es schade, wenn Verlage aufgrund der starken Angebotslage bei begrenzter Nachfrage aufgeben müssen.
Trotzdem: kann das so weitergehen? Oder: für wen ist das noch gut, wenn das so weitergeht?

Ich wollte das einfach mal loswerden.

P.S.: Und wo zur Hölle soll man diese ganzen gekauften Comics nach dem lesen lagern?